Ein Tag an der Gera

Die Gera in Erfurt.
Die Gera in Erfurt.

Der 16. März kommt immer näher. Traditionell der Saisonstart bei uns in NRW. In den  letzten Monaten habe ich mich nicht nur mit dem Befüllen der Fliegenboxen für die neue Saison beschäftigt, aber man hat ja auch Zeit Pläne zu schmieden für das neue Jahr. Dabei guckt man sich neue Gewässer aus, wo man gerne im neuen Jahr mal die Rute schwingen würde. Das geht nicht nur mir, sondern auch viele anderen so. Klar, man orientiert sich an Erfahrungen anderer Fliegenfischer, liest im Internet oder in Magazinen, aber man versucht doch irgendwie auch immer wieder mal was zu finden, was noch relatives Neuland ist. So bekam ich von Christoph Kleinbusch einen Bericht über die Gera. Ich muss gestehen, dass ich von diesem Gewässer noch nie was gehört hatte und ich denke bei vielen wird es ähnlich sein. Deswegen möchte ich Euch seinen Erfahrungsbericht nicht vorenthalten.

Ein Tag an der Gera…..

Von Christoph Kleinbusch

Einmal im Jahr fahre ich aus familiären Gründen nach Erfurt zu einem Kurzbesuch. In diesem Fall bin ich aber lediglich der Fahrer und damit bei dem gemeinsamen Treffen in der Regel nur als „Zaungast“ anwesend. Die letzten Jahre hatte ich mich, mit meiner Lebensgefährtin, nach dem Mittagessen immer verabschiedet und wir sind die Sehenswürdigkeiten der Umgebung besichtigen gegangen. In der Umgebung in Erfurt gibt es eine Menge zu sehen….seien es nur diverse Burgen, Schlösser und Museen oder aber auch die Wälder und Höhlen der Umgebung……
Dieses Jahr musste ich alleine fahren….was lag da näher als die freie Zeit mit (Fliegen)Fischen zu verbringen. Nach dem die Idee in mir gereift war, fing ich an mich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Als erstes machte ich mich daran herauszufinden, ob es Gastkarten für ein Gewässer in der Nähe gab. Das war gegeben….für viele Gewässer in der unmittelbaren Umgebung von Erfurt wurden Gastkarten verteilt. Die Gastkarte ist eine „Verbundkarte“, das bedeutet man darf mehrere Gewässer mit der Karte befischen. Allerdings muss man vorher beim Lösen der Karte das Gewässer angeben an welchem man Fischen will…..von daher ist man dann leider nicht ganz so flexibel…. Die Karte kostet für einen Tag 20€. Zusätzlich fallen 5€ „Ausgabegebühr“ an, welche man, wenn man die Karte ausgefüllt zurück bringt, wieder bekommt.

Nach dem ich das Thema Gastkarte geklärt hatte, wollte ich schauen was ich bezüglich des Fischbestands in der Gera erfahren konnte. Auf der ersten Seite konnte ich den Satz sehen „Stand Oktober 2010: Äschenbestand ausgelöscht (dem Vogel des Jahres 2010 sei Dank !!!) „ lesen…..kein gutes Zeichen……  Bei meiner weiteren Suche konnte ich zumindest herausfinden, dass die Bachforelle den größten Anteil der Fische stellt. Dazu gesellen sich dann noch Regenbogenforellen, Äschen, Bachsaibling und Rotaugen und Rotfedern…..ich war auf jeden Fall gespannt…..

Einen Tag bevor es auf die Fahrt zur Gera ging, rief ich noch bei einem örtlichen Angelhändler an um mir einen Gastkarte zu reservieren. Das reservieren war zwar nicht notwendig aber über den kurzen Plausch konnte ich zumindest herausfinden dass die Gera Niedrigwasser hatte und er mir, wenn ich denn als reiner Angeltourist unterwegs wäre, eher von einem Besuch abraten würde.
Am nächsten Tag waren wir bereits früh unterwegs….nach der Ankunft blieb ich noch eben für einen „Anstandskaffee“ um mich dann für die nächsten Stunden zum Fischen zu verabschieden. Als erstes ging es zum örtlichen Angelhändler (Ruby’s Anglertreff) um die Gastkarte abzuholen. Der Laden war zu meinem Eintreffen gut besucht, aber der Chef nahm sich viel Zeit um mir die einzelnen Stellen mit den Vor- und Nachteilen aufzuzeigen. An der Gera gibt es Fly-only Strecken genauso wie „gemischte“ Strecken. Ich entschied mich für eine Fly-Only Strecke…….Ein Frage die blieb war, wie konnte ich Fischkarte und somit auch meine Leihgebühr zurück bekommen. Aber auch für diese „Problematik“ gab es eine einfache Lösung……ich durfte zum Abschluss meine Karte an den Laden zurücksenden und dafür bekam ich meine 5 € zurück…..das nenne ich Service 😉 ! Im Laden gab es auch einen kleinen Fliegenfischerbereich….ein paar Kleinigkeiten gingen mit und dann bewaffnet mit Gastkarte und einer Flusskarte mit markierten Stellen machte ich mich auf dem Weg zur ersten Angelstelle.

Die erste Stelle für "gut" befunden.
Die erste Stelle für „gut“ befunden.

Dort angekommen verschafft ich mir einen „Rundumblick“ und befand die Stelle für gut….also nichts wie ab in die Watklamotten und den Hang hinunter zum Wasser. Der Tag war zum Beginn meines Angelns sehr bewölkt mit leichtem Nieselregen…..Auf dem Wasser konnte ich keine Insekten ausmachen, Forellen waren auch nicht am Steigen. Ich beschloss das Angeln mit einer selbst gebundenen (meine erste selbst gebundene Fliege, während eines Kurses bei Finest Fly Fishing) Fasanenschwanznymphe zu versuchen. An der Stelle an welche ich mich befand war die Gera auf der einen Seite Knöcheltief und auf der anderen Seite verlief ein tiefer Graben. Ich beförderte meine Fliege in diesen Graben und lief selbige Richtung Grund driften…….Ich arbeitet mich langsam vorwärts um einen großen Bereich absuchen zu können…..nach 10 Minuten gab es den ersten Biss, der Anschlag saß, aber der Fisch flüchtet sofort zwischen zwei Steinen und meine Fliege kam mir entgegen…..das war doch schon mal ein Anfang……
Mit der gewählten Taktik ging es weiter den Fluss hinab und das sich was tat…..nach gut einer Stunde gab es den nächsten Biss. Der Anschlag saß und der Fisch ging direkt in die „vollen“…..ich dacht bei mir, wow, der ist wohl was besser. Nach einigen Minuten konnte ich den Fisch landen….es war eine wunderschöne Bachforelle, schön gezeichnet und wunderbar im Futter. Nach einer kurzen Messung, welche 42cm ergab durfte der Fisch wieder in seinem Element entschwinden…….

Eine schöne Forelle aus der Gera.
Eine schöne Forelle aus der Gera.

Hoch motiviert ging es für mich weiter…..an einer Stelle wo ein dicker Stein im Wasser lag, vermutet ich weitere Fische….leider hing sich meine Fliege in die Steine und was mir blieb war lediglich der Abriss der Fliege ;-(
Zum Glück hatte ich während des Kurses noch eine weiter Fliege gebunden, diese kam jetzt ans Vorfach und es konnte weitergehen…..Langsam änderte sich das Gesicht des Flusses….die Tiefe Rinne war auf die linke Seite gewandert und war auch nicht mehr sehr tief. Die Büsche und Sträucher kamen auch immer näher. Da passierte es: ich „hing“ meine zweite selbst gebundene Fliege unerreichbar in die Büsche…. Die Regenwolken waren verschwunden, die Sonne kam heraus und ein leichter Insektenschlupf war auszumachen. Ich entschied mich auf eine Trockenfliege zu wechseln und konnte ich noch zwei weitere Forellen landen, beide so um die 30 – 35 cm….und beide durften wieder Schwimmen…..Nachdem ich nun schon eine ganze Zeit unterwegs war, entschied ich mich dazu noch mal eine andere Stelle des Flusses zu besuchen. Auf dem Rückweg konnte ich eine steigende Forelle ausmachen, leider hatte diese keine Lust auf meine Fliege……

Vielversprechend, aber leider konnte die Idee nicht umgesetzt werden.
Vielversprechend, aber leider konnte die Idee nicht umgesetzt werden.

Am Auto angekommen machte ich mich auf dem Weg zum nächsten Kreuz auf meiner Karte. Da die Zeit inzwischen auch schon ein wenig fortgeschritten war, hatte ich für die neue Stelle ca. 1 Stunde Zeit. Als erstes inspizierte ich den Fluss von einer Brücke. Direkt an der Brücke und auch über die nächsten 200 Meter war das Flussbett dort vom Typ „Badewanne“. Ich konnte in der Badewanne an den Rändern eine Menge Forellen ausmachen…..Etwas weiter gab es eine kleine Staustufe und dahinter bot sich mir wieder das Bild der tiefen Rinne auf der einen Seite. Ich entschloss mich ca. 300 Meter oberhalb der Staustufe anzufangen und mich dann langsam Richtung Auto vorzuarbeiten. In der Ferne hörte ich laute Musik und Gejohle, maß dem jedoch keine Bedeutung bei……

Das obere Stück hatte ich ohne einen Fischkontakt abgesucht und war gerade an der Staustufe angekommen und freute mich auf dem letzten Abschnitt wo ich die Forellen hatte stehen sehen als am anderen Ufer ein etwas beleibter Herr mit einer Kamera auftauchte…..das erste was diesen passierte war das er bis zu den Knien im Schlamm versankt….der ließ sich davon jedoch nicht beirren und machte seine Kamera „Einsatzbereit“…….mmmmh, irgendwie kam mir die Musik und das Gejohle jetzt viel näher vor…….Ich hatte den Gedanken noch nicht ganz zu Ende gedacht als auch schon die ersten Schlauchboote, Luftmatratzen und Autoreifen um die Ecke kamen. Besetzt waren alle mit ein oder mehreren Punkern welche, wie ich nachher erfuhr eine Demo auf dem Wasser abhielten. Es dauert fast 20 Minuten bis die gesamte Demo an mir vorüber war….an Fischen war während dieser Zeit natürlich nicht zu denken und auch die Forellen in der Badewanne hatten die Lust verloren. Da die Zeit meiner geplanten Heimreise eh fast erreicht war, machte ich mich auf dem Weg zum Auto und dachte mir noch, dass es ein paar schöne Stunden am Wasser waren. Ich für meinen Teil werde auf jeden Fall noch mal die Gera befischen, dann hoffentlich nicht mit Niedrigwasser….

Für alle die mit der Familie Ihre Angelausflüge planen müssen, die gesamte Umgebung in und um Erfurt bietet einiges an Sehenswürdigkeiten. Dazu zählen Burgen, Schlösser, Minen, Salzbergwerke und noch vieles mehr. Hinzu kommt noch die Nähe zum Thüringer Wald  und auch der Harz liegt mit einer Entfernung von ca. 120 km noch in einer erreichbaren Entfernung.

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