Jan Aben, Maifliegenaficionado.

Maifliegenzeit an der Wiesent 2016

Es hat mittlerweile Tradition: wenn die Maifliegenzeit beginnt, ist Jan Aben Sr. an der Wiesent in der Fränkischen Schweiz zu finden. Jedoch nicht im Mai, wie es die Überschrift vermuten lässt, sondern in der zweiten Juniwoche. Maifliegenpapst Heinz Weiland aus Waischenfeld, der leider im Januar 2016 von uns gegangen ist, sagte immer, dass Fliegenfischer sich den 10. Juni in den Kalender schreiben sollten. Und obwohl der Frühling kalt war und es in diesem Jahr auch viel geregnet hatte, stimmte es auch in diesem Jahr wieder. Das Timing war perfekt und somit war Jans Reise von fast 600 Kilometer nicht umsonst. Eine Woche am Wasser zu sein, wenn der Maifliegenschlupf den Höhepunkt erreicht, ist ein Erlebnis, das echte Liebhaber nicht missen möchten. Aber lassen wir Jan doch selber erzählen…

Erstaunlicherweise ist es jedes Jahr wieder anders als man denkt. Man würde meinen, dass es immer wieder gleich ist, aber jedes Jahr erfordert eine neue Herangehensweise. In diesem Jahr war es sehr auffällig, dass die Maifliegen tagsüber nicht oder kaum aktiv waren. Während der heißen Tagen am Anfang der Woche, dauerte es sogar bis nach 17 Uhr, bis es eine größere Aktivität gab und man vorsichtig von einem Schlupf sprechen konnte. Richtig gut war es dann von 19.30 bis 21 Uhr. Als die Temperatur später in der Woche niedriger war und es im Tal regelmäßig Regen und Gewitter gab, fing das Spektakel so gegen 16 Uhr an.

Sehr gut ernährte Regenbogenforelle.
Sehr gut ernährte Regenbogenforelle.

Natürlich wird auch tagsüber gefischt, aber dann meistens mit Nymphen. Selbstverständlich Maifliegennymphen, aber auch traditionelle Muster wie Fasanenschwanznymphen und Goldkopfnymphen. Obwohl an der Wiesent nicht gerade die beste Zeit für Äschen ist, konnte ich an einer Rieselstrecke in weniger tiefem Wasser einige schöne Exemplare fangen.

Maifliege mit Exuvie.
Maifliege mit Exuvie.

Der Maifliegenschlupf an der Wiesent folgt immer einem bestimmten Zyklus. Grob gesagt kann man einen Schlupf in 4 Abschnitte unterteilen. Im ersten Abschnitt, der, je nach Wetterbedingungen, ca. 1 Stunde dauert, zeigen sich hier und da einige steigende Fische. Die nehmen aber kaum Trockenfliegen, obwohl diese schon auf dem Wasser sind. Man würde meinen, dass diese Fische die Trockenfliegen nehmen, aber das ist ganz klar nicht der Fall. Die Fische sind dann auf die Nahrungsaufnahme unter der Wasseroberfläche, wie z.B. Emerger und Nymphen, eingestellt. Die Ringe, die man an der Wasseroberfläche sieht, sind fast alle die Folge des Durchbrechens der Wasseroberfläche, während die Forellen Emerger nehmen. Es ist notwendig in dieser Phase mit Nymphen und Nassfliegen, wie z.B. French Partridge und Gosling, aber auch eine Jabba auf Hakengröße 12, zu fischen. Manchmal muss man die Hakengröße anpassen, denn zu groß führt eben auch zu weniger Anbissen. Eine kleinere Fliege, gebunden auf Hakengröße 12 oder 14 (und das ist für eine Maifliege nicht groß), geht dann eindeutig besser.

Die Strecke "Sachsenmühle"
Die Strecke „Sachsenmühle“

Im Laufe des Schlupfzyklus werden die Fische aktiver. Das nervöse Verhalten ändert sich in ein aktives Verhalten. Forelle und Co. nehmen dann wohl von der Oberfläche. Der Fliegenfischer ist gut beraten diesem Verhalten zu folgen. Eine andere Fliegenwahl also, und manchmal auch eine andere Präsentationstechnik. Trockene Maifiegen, immer noch nicht zu groß, oder Emerger, aber dann trocken und stromaufwärts angeboten, sind erfolgreich. Die Fliege durch zusätzliche Bewegungen etwas mehr Leben zu verleihen, kann auch nicht schaden. Eine schlupfende Maifliege ist ja auch lebhaft. Fliegen, die “dead drift” angeboten werden, bringen in der Regel weniger Fische.

Bachforelle aus der Strecke "Hammermühle", gefangen an einer Scott Radian, eine wunderbare Rute für diese Fischerei.
Bachforelle aus der Strecke „Hammermühle“, gefangen an einer Scott Radian, eine wunderbare Rute für diese Fischerei.

Auf dem Höhepunkt des Schlupfes nehmen die Fische die Trockenfliegen voll von der Oberfläche. Dann kommen die Maifliegen mit den bekannten extended Bodies zum Einsatz. Exemplare von 6 bis 7 Zentimeter sind keine Ausnahme und befinden sich die Fische einmal im “Fressrausch”, gilt die Regel “besser zu groß als zu klein”. Jetzt muss der Fliegenfischer die richtigen Entscheidungen treffen. Je nach Tageszeit und Temperatur dauert diese Phase ungefähr eine halbe bis maximal eine Stunde. In diesem Jahr war es auf dem Höhepunkt des Schlupfs schwieriger die Fische zu haken. Es gab so viele Fliegen auf dem Wasser, dass diese auch keinen Grund hatten unsere Muster zu nehmen, egal wie schön und realistisch diese gebunden waren. Das kann man im Video auch sehr gut erkennen.

Den letzten Abschnitt des Schlupfes kann man am Besten als “Auslauf” bezeichnen. Die Fische sind gesättigt und nehmen sichtbar schwerer die Nahrung zu sich. Es empfiehlt sich jetzt wieder kleinere Muster zu nehmen. Ich greife in dieser Phase oft zur Peute (auch: die Hässliche). Sie bringt mir immer wieder schöne Fische.
Im Grunde genommen ist der 2. Abschnitt des Zyklus der beste, um richtig gut Fische zu fangen und bringen Nassfliegen und Emerger die meisten Fische ins Netz.

Wunderschöne, satte Bachforelle.
Wunderschöne, satte Bachforelle.

In diesem Jahr habe ich, zusammen mit meinem Kumpel Heinz, auch viel Zeit  für die Observation der Maifliegen verwendet. Maifliegen, die am Tag zuvor als Subimago oder Dun geschlupft sind und sich in Bäumen und Sträuchern in der Nähe des Flusses aufhalten und die letzte Metamorphose erleben um schließlich “Hochzeit” zu feiern. Sie sitzen, oft mehrere gleichzeitig, unter Blättern und im Laufe des Tages fängt der Hochzeitstanz an. In großen Schwärmen tanzen die Maifliegen nahe des Waldrands und/oder Bäumen und Sträuchern und die Männchen versuchen die Weibchen zu greifen um sich zu paaren. Es ist ein wunderschönes Schauspiel. Das Video, das ich gemacht habe, vermittelt einen Eindruck dieses Naturphänomens.

Beim Paaren geht es heiß her.
Beim Paaren geht es heiß her.

Nach erfolgreicher Paarung machen sich die Weibchen in Massen auf den Weg zum Wasser (oder etwas, das Ähnlichkeit hat) um die Eier abzulegen. Sie sind so eifrig, dass mehrere Maifliegen sogar versuchten, auf dem Dach des PKWs ihre Eier abzulegen, und das ist keine Ausnahme!

Da hat sich das Weibchen vertan und legt die Eier auf dem Dach eines PKW ab.
Da hat sich das Weibchen vertan und legt die Eier auf dem Dach eines PKW ab.

Der letzte Tag der Woche mit der Maifliege war gleichzeitig mein schönster Tag. Obwohl es Mittags und gegen Abend immer wieder heftigst regnete, habe ich konsequent weiter gefischt und erlebte mit immer wieder wechselnder Strategie einige Sternstunden.
Sogar im strömenden Regen, als man die Trockenfliegen auf dem Wasser auf Grund von Regen und Bläschen schon nicht mehr sehen konnte, nahmen die Fische direkt unter der Oberfläche präsentierte, “versoffene” Fliegen. Eine logische Folge der Bedingungen, denn die richtigen Maifliegen konnten an diesen Momenten auch nicht ausfliegen.

Wunderschöne Zeichnung.
Wunderschöne Zeichnung.

Zwischen den Schauern musste ich bei spiegelglatter Oberfläche wieder auf Trockenfliegen wechseln, die entweder aktiv, oder dead drift, schöne Fische brachten. Gerade in der Maifliegenzeit zeigen sich große Fische an der Oberfläche, die normalerweise nur selten Trockenfliegen nehmen. Und das macht das Angeln in diesem, “zu kurzen” Zeitraum von ca. 2 Wochen auch so attraktiv. Nach der Maifliegenzeit sind zwar noch vereinzelt Maifliegen da, aber nachdem sich die Fische in diesem 14-tägigen Zeitraum an dem enormen Proteinangebot gelabt haben, werden sie auch wieder sehr wählerisch. Es findet ein umgekehrter Prozess statt, denn die Fische nehmen für einige Wochen fast ausschließlich “Kleinzeug”. Eine Fliege mit Namen “Apotheker” – eine kleine Palmerartige Fliege in Größe 18 – ist dann zum Beispiel eine der wenigen Muster, die man auf der Speisekarte der dicken Wiesentforellen wieder findet.

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