Auftrieb…

Es gibt viele Situationen wo Auftrieb der Fliege gewünscht ist. Eine Trockenfliege ist zum Beispiel auf die Schwimmfähigkeit der verwendeten Materialien angewiesen. Schaumstoff ist ein wunderbares Material um Fliegenmustern Auftrieb zu verleihen. Grund genug, mal einen Blick auf dieses Material zu werfen.

Das erste Mal, dass ich mit Schaumstoff in Berührung kam, muss Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts gewesen sein. Ich hatte meinem Vater zu Weihnachten das Buch „The Art of the Trout Fly“ von Judith Dunham geschenkt. Natürlich warf ich auch selber mal einen Blick in dieses wunderbar bebilderte Buch und da sprang mir die Balloon Caddis von Roman Moser ins Auge. Ein Muster, welches mich auf Anhieb interessierte und das ich damals auch schon fleißig nachgebunden habe.

Inspiration: die Balloon Caddis im Buch von Judith Dunham „The Art of the Trout Fly“.

Die Balloon Caddis ist eine Nachahmung einer Sedge, die sich direkt an der Wasseroberfläche ihrer Haut am Ende des Puppenstadium entledigt. Um das Profil so realistisch wie möglich zu gestalten, wird, anstelle einer Hechel, ein schwimmendes Schaumstoffmaterial verwendet, um die Fliege über Wasser zu halten. Der gelbe Thorax aus Schaumstoff hilft nicht nur dabei die Fliege schwebend zu halten, sondern bildet auch einen Buckel, der dem der aufsteigenden, erwachsenen Sedge sehr ähnlich ist. Ein tödliches Muster für Forelle und Äsche in dem Stadium, wenn das Insekt am Anfälligsten ist.

Die anfänglichen Erfahrungen mit Schaumstoff und mit der Balloon Caddis, wurden im Laufe der Zeit um andere Muster ergänzt, wo ebenfalls Schaumstoff zum Einsatz kam, gerade dann wenn viel Auftrieb erwünscht war. Aber es ist mehr als das. Schaumstoff ist sehr vielseitig in der Anwendung und für manche Muster einfach unverzichtbar. Viele Landinsekten – Grashüpfer, Käfer und Ameisen in unterschiedlichsten Ausführungen – kann man wunderbar mit Schaumstoff herstellen, ist es doch relativ „einfach“, die Muster ohne großen Materialaufwand zu Binden. Einige Beispiele seht Ihr auf dem Bild.

FBL_Landinsekten

Relativ einfach zu binden, große Wirkung: diverse Landinsekten.

Schaumstoff kann einfach verarbeitet werden, kann in unzähligen Formen geschnitten werden und ist verhältnismäßig günstig. Aber die wichtigste Eigenschaft ist eben die Auftriebskraft. Ein Grund mehr warum das Material vorrangig – es wird auch mal für Flügel oder an anderen Stellen verwendet – ihre Anwendung in Körpern findet.
Und da kommen wir auch schon zu einem wichtigen Punkt, denn Schaumstoff ist nicht gleich Schaumstoff und nicht jedes Material ist geeignet.
Für uns ist es wichtig, flexiblen Schaumstoff zu verwenden, da sich dieser am Besten verarbeiten lässt. Wichtig ist auch, dass der Schaumstoff dichtzellig ist. Auf englisch sagt man „closed-cell foam“. Dieses Material besteht aus einzelnen, in sich geschlossenen Kammern, die mit Luft, Stickstoff oder einem anderen Gas gefüllt sind.
Dieses Material ist schwimmfähig und entsprechend für die Verwendung beim Fliegenbinden geeignet.

Nun ist nicht jedes Material gleich. Die Festigkeit des Materials hängt u.a. von der Dicke (ab 0,5mm, meist verwendet ist Schaumstoff in 2 und 3mm) des Materials und von der Stärke der Wände ab. Das bestimmt im Endeffekt die wichtigsten Eigenschaften: Auftrieb, Flexibilität und die Haltbarkeit des Materials. Hier geht probieren über studieren und man muss Kompromisse eingehen, damit man für das jeweilige Muster, welches man Binden möchte, das richtige Material findet. Generell kann man sagen, dass Schaumstoff mit größeren Zellen – das sieht ein wenig transparent aus – und einer etwas raueren Oberfläche, den größten Auftrieb hat und am flexibelsten ist. Zum Beispiel das Sheet Foam von Sybai.

Dieses Material ist zum Beispiel sehr gut für die Herstellung von Maifliegenkörper geeignet. Wie man das machen kann, könnt Ihr in diesem Beitrag sehen.

Aber Vorsicht: das was Schaumstoff auszeichnet, kann gleichzeitig eine Einschränkung sein. Wenn man die Windungen mit dem Bindefaden zu fest macht, entweder beim Einbinden des Materials, bei der Körpersegmentierung oder beim Abbinden des Materials, kann man den Schaumstoff entweder direkt durchtrennen oder es führt dazu, dass im Laufe der Zeit das Material reißt. Hier sollte man vorsichtig zu Werke gehen. Am Besten verwendet man einen Bindefaden der flach aufträgt.

FBL_Mayflies_Sheetfoam

Maifliegen mit Schaumstoffkörper. Einmal um den Hakenschenkel gewickelt, einmal als extended Body.

Wenn man also Muster erstellen möchte, die wesentlich widerstandsfähiger sind – denke dabei zum Beispiel an Stimulatorfliegen oder Gurgler – braucht man also einen Schaumstoff mit kleineren Zellen (zum Beispiel Polycelon). Das hat eine feinere Struktur, ist stärker, aber wohl etwas steifer und besitzt weniger Auftrieb.

FBL_Vergleich

Schaumstoff ist nicht gleich Schaumstoff. Die Struktur des Materials kann sehr unterschiedlich sein. Links Sheet Foam von Sybai, rechts Polycelon.

Eine Sache noch, die man unbedingt beachten sollte, wenn man Körper aus Schaumstoff wickeln möchte – also ähnlich wie man normalerweise einen Körper um den Hakenschenkel wickelt – die für mehr Auftrieb als sonst sorgen sollen. Schaumstoff ist ja flexibel und entsprechend ein wenig dehnbar. Wenn man beim Wickeln um den Hakenschenkel jedoch zu viel am Material zieht, kann man die Luftkammern im Material auch beschädigen, indem sie reißen und die Luft entweicht. Das wirkt sich entscheidend auf den Auftrieb des Materials aus. Fingerspitzengefühl ist gefragt: entsprechend Druck ausüben um einen sauberen Körper zu Wickeln, ohne die Kammern zu beschädigen, aber auch nicht zu locker, dass der Körper nicht am Haken hält.

FBL_Hoppers

Stimulators und Grashüpfer lassen sich ebenfalls wunderbar mit Schaumstoff binden.

Probiert es mal aus. Die Maifliegzeit steht kurz bevor und wenn diese vorbei ist, fängt ja die Zeit an, wo sich sehr viele Landinsekten auf dem Wasser befinden. Happy Tying! 😉

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