Møn… wie schön… windig

August 2017. Theo und ich sitzen im Laden und trinken einen Kaffee. „Wann waren wir eigentlich das letzte Mal…“ Manch einer erkennt es. Wenn so ein Satz kommt, bezieht es sich bei uns in diesem Fall auf eine Meerforellentour. „Zu lange her…“ Klar, ist immer so. „Wollen wir im Herbst mal wieder?“ „Gerne, ob Rudy Zeit hat?“ Das Glück will, dass Rudy Zeit hat. Und so geht es Ende Oktober nach Dänemark. Nach Møn um genauer zu sein.

Meine letzte, nicht von Erfolg gekrönten, Meerforellentour mit Matthias liegt fast anderthalb Jahre zurück. Ich gebe zu, es juckt. Die Sehnsucht nach dem Meer. Die oft unendlichen Weiten, der Wind, der Geruch, der oft unerwartete Ruck an der Leine… die Sucht. 5 Tage angeln liegen vor uns. Die Vorfreude ist groß.

Theo und Rudy haben schon ihre Erfahrungen auf Møn, eine Insel, gelegen zwischen der Südspitze Seelands und der Ostspitze Falsters. Für mich ist es Neuland. Natürlich hatte ich auf Bildern schon gesehen, dass es landschaftlich an einigen Stellen sehr reizvoll ist (gerade vor Møns Klint, ein bis 128 Meter hoher Kreidefelsen auf der Ostseite der Insel).
Aber wir fahren ja nicht nur wegen der tollen Natur und Landschaft, sondern vor allen Dingen der Meerforellen wegen. Møn hat den Ruf, dass man nicht viele Fische fängt. Wenn, dann aber von einer überdurchschnittlichen Größe. 

Die Reise verläuft ohne große Probleme. Wenn man am Sonntag fährt, generell nicht. Die Pause auf der Fähre von Puttgarden nach Rødby ist willkommen und danach fährt man eigentlich nur noch eine gute Stunde bevor man die Insel erreicht. Schnell in Stege noch ein Paar Einkäufe gemacht und dann geht es auch schon zu unserer Bleibe für die kommenden Tage, das Ferienhaus „Snehvide“ (Schneewittchen), das unweit von Møns Klint gelegen ist.

Snehvide (Schneewittchen). Unsere Basis für die Woche.

Das Ferienhaus gehört zum Møns Klint Resort (www.moensklintresort.dk). Hier werden Ferien- und Landhäuser angeboten, aber zum Angebot gehört auch ein renommierter Campingplatz. Für jeden etwas also.
Nachdem wir uns eingerichtet haben, rückt die Wettervorhersage in den Mittelpunkt. Die Vorhersage ist nicht unbedingt optimal. In einer früheren Ausgabe der Zeitschrift Rute & Rolle gab es mal einen ausführlichen Beitrag zu den fischereilichen Möglichkeiten auf Møn (hier als Download http://fishingzealand.dk/wp-content/uploads/Moen.pdf ). Die Karte mit den Stellen nehmen wir zur Hand und entscheiden für den ersten Tag nach Ålebaek Strand zu fahren. Der Wind soll schräg von hinten kommen (für die Rechtshänder natürlich optimal 😉 ) und Rudy und Theo haben in der Vergangenheit an diesem Abschnitt ihre besten Fische gefangen.

Mein Setup für die Woche auf Møn.

Kurz was zu meinem Tackle. Ich fische grundsätzlich schnelle Ruten, Klasse 7 in 9‘ oder 9‘6“ Länge. Ich bin keiner der viel mitnimmt. Klar, es gibt Tage, dass man mit einer 6er oder gar 5er Rute sehr gut zurecht kommt. Andererseits gibt es Tage, wo eine 8er angenehm wäre. Wenn ich an der Küste wohnen würde, würde ich es wahrscheinlich auch so handhaben. Tue ich aber nicht und deshalb die 7er ;-). In diesem Falle eine Guideline RSi. Seit ich mit dem Fliegenfischen auf Meerforellen begonnen habe, nehme ich zu 90% eine Slow Intermediate Schnur, meist verbunden mit einem „Hover“ (schwebend) Polyleader in 8 oder 10 Fuß Länge. Diesen Tipp habe ich als Rookie mal bekommen und da ich mit diesem Setup meistens Fisch gefangen habe, bleibe ich auch dabei. Das hat natürlich mit Vertrauen zu tun. Ich habe in der Vergangenheit auch mit Schwimmschnüren, Fast Intermediate Schnüren, diverse Polyleader und mit Fluorocarbon Vorfächern gefischt. Niemals war ich aber so erfolgreich, wie mit erstgenannter Kombo. Mag Kopfsache sein, bei mir passt es einfach. Als Schnur bei dieser Tour die Guideline Coastal Slow Intermediate WF7F und Polyleader von Airflo. Am Tippet ein bis zu 2 Meter länges Stück Fluorocarbon in 0,22 oder 0,25mm. Das ist meine Basis.

Wir sind an diesem Morgen nicht die einzigen, die sich Ålebaek Strand ausgesucht haben. Einige Kollegen stehen schon im Wasser und versuchen mit „Blech“ ihr Glück. Der Wind kommt ziemlich straff von der linken Seite. Direkt vor Ålebaek Strand ist zudem im Uferbereich das Wasser aufgrund des starken Windes etwas eingetrübt. Wir beschließen in östlicher Richtung zu laufen, in Richtung Brunhoved. Hinter der Spitze ist es für uns in der Tat bequemer, na ja, für mich als Linkshänder nicht wirklich, aber das Wasser ist weniger eingetrübt und somit stehen erste Versuche nichts im Wege. Rudy hat schon schnell Fischkontakt und die ersten Bilder sind im Kasten. Auch ich spüre kurz vor der Mittagspause einen Ruck in die Rute, aber der Fisch packt nicht richtig zu. Komischerweise folgt der Anbiss relativ nah am Ufer, auf ca. 15 Meter, wo Rudy seine Anbisse wesentlich weiter draußen bekommt. Unsere Muster sind relativ identisch, wir fischen beide eine kleinere Magnus, Rudy in Naturfarben, ich mit einer Lila-Hechel. 
Nach der Mittagspause gehe ich noch mal zurück zur Stelle, wo ich den Anbiss bekam. Beim 2. Wurf an ziemlich genau der gleichen Stelle, wird meine Fliege wieder genommen und diesmal hängt die Meerforelle. Kurzer Drill, kleinerer Fisch und weiter geht es. 
Für mich war es das dann aber auch.

Rudy’s Rute geht krumm.

Rudy schnappt sich noch 3 Stück in den nächsten 2 Stunden, muss dafür aber echt weit raus. Die Belohnung ist aber da, denn eine wunderschöne Mefo von 60 Zentimeter kann er gekonnt ans Ufer dirigieren.

Schöner Silberbarren von 60 Zentimeter.

Theo bleibt leider ohne Fisch. Der Wind nimmt ständig zu, fängt an sich zu drehen und irgendwann beschließen wir es dran zu geben. Auf dem Rückweg zum Auto, sehen wir nur, wie schnell das Wasser aufgrund der Verwirbelung durch die Wellen eintrübt. Heißt nicht gutes für den nächsten Tag.

Kilometer machen… nicht am Wasser, sondern mit dem PKW. Die Befürchtung wird wahr. Über Nacht haben die Bedingungen sich stark verändert. An Angeln ist bei Ålebaek Strand und Brunhoved nicht zu denken. Das Wasser ist dunkelbraun. Der Wind hat noch mal eine Schippe drauf gelegt und kommt aus Südwestlicher Richtung. Ein anderer Angler nennt uns noch einige Alternativen, aber auch da sieht es nicht besser aus. Letztendlich landen wir nach einigen Stunden rumfahren bei Koster, wo es eine flache Bucht gibt, wo wir zumindest einige „Dehnübungen“ machen können. Dieser Ausflug wird aber nicht von Erfolg gekrönt und nach einer knappen Stunde, packen wir auch schon wieder ein und fahren zurück in unsere Unterkunft. So ist es halt manchmal.

Abends wird gebunden. Neues Muster: Brenda.

Dafür kommt der Bindestock auf dem Tisch. Ich hatte Theo von einem Gespräch mit Sepp Fuchs einige Wochen vorher erzählt, der mir von der Brenda vorgeschwärmt hatte. Ein wenig recherchiert und schon lagen für den nächsten Tag einige Fliegen bereit. Die Hoffnung stirbt zuletzt…

Das Glück ist mit uns. Am morgen hat zwar der Wind nicht nachgelassen (im Laufe des Tages zieht der Wind auf Stärke 6-7 an), aber das Wasser bei Brunhoved ist wieder klarer geworden und wir legen schnell los. Ich tue mich schwer mit dem Wind, der sich erneut gedreht hat und wieder aus westlicher Richtung kommt. Direkt auf die Wurfhand und somit muss ich mich zum Ufer drehen und quasi meine Backcasts schießen lassen um meine Schnur ohne großen Verletzungsrisiken auf Länge zu bringen. Klappt nicht immer, aber ich schaffe doch die meisten Würfe dahin zu bekommen wo ich möchte. Am Ende des Vorfachs hängt eine Brenda – na klar – und ich staune nicht schlecht, als nach einer guten halben Stunde ein vehementer Anbiß kommt. Ich spüre direkt, dass es ein guter Fisch ist. Trotz einiger Fluchten, bekomme ich schnell die Überhand und kann nach knapp 5 Minuten den Fisch in den Kescher gleiten lassen.

Warten mit dem Kescher, während man den Fisch nieder ringt.

Drin! Der XL Seatrout Kescher von McLean ist prädestiniert fürs Landen schöner Fische 😉

Neue persönliche Bestmarke. Allein wegen diese 61 cm hat sich die Reise schon gelohnt.

Yesss, das könnte ein PR sein! Theo zaubert schnell das Maßband herbei und tatsächlich, 61 Zentimeter sind es! Ich kriege das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, setze mich erst mal eine halbe Stunde ans Ufer und genieße diesen Moment. Theo und Rudy fischen weiter und ich hoffe sehnlichst für Theo, dass auch er heute seinen Fisch bekommt. Es dauert, aber endlich hat auch Theo den erhofften Kontakt und kann eine 51er an Land bringen.

Trübe Aussichten. Das Wetter verschlechtert sich zunehmend.

Die Belohnung für die Beharrlichkeit. Theo mit einer schönen blanken Mefo.

Fliege? Brenda! Test bestanden und wie! Rudy hat zwar einen Kontakt, kann diesen aber nicht verwerten und bleibt heute Schneider.

Frühstück am morgen. Die Grundlage für den Tag.

Der Wind ist auch am Folgetag unser größter Feind. Heute gesellt sich die Sonne zwar dazu, aber es bleiben uns kaum Stellen, wo wir nur ansatzweise eine Chance haben zu Fischen. Zu viel hat der Wind das Wasser aufgewirbelt. Die einzige reelle Chance, die wir uns ausmalen, erwarten wir an der Ostseite der Insel, vor den malerischen Klippen. Der PKW wird in der Nähe des Leuchtturms geparkt und wir laufen erst mal zu Møns Fyr. Hier stehen einige Angler im Wasser (mit Blech) und aus weiter ferne können wir auch beobachten, dass weit draußen ein Fisch gedrillt wir.

Keine Chance. Auch „Meister Rudy“ ist manchmal mit seinem Latein am Ende.

Im Uferbereich ist das Wasser aufgrund des Kreideuntergrunds sehr milchig und mit dem relativ starken Wellengang wird sich das hier auch nicht ändern. Es bleibt uns nicht anderes übrig, als weiter nördlich zu gehen. Ein strammer Fußmarsch folgt bis wir das sog. Halbmondriff erreichen.

Traumhafte Kulisse, keine Fische. Gehört dazu.

Hier ist das Wasser weniger eingetrübt, die Kulisse ist überwältigend, der Wind ist aufgrund der hohen Klippen quasi aus dem Spiel, aber egal was wir versuchen, unsere Bemühungen werden nicht belohnt. Ein Tag bleibt uns noch…

Sturmtief „Herwart“ ist im Anmarsch. Der Wind hat abermals die Richtung gewechselt. Nord- und Ostseite der Insel sind keine Option mehr. So zieht es uns Richtung Südseite, wo wir hoffen, einige Stellen zu finden, wo wir unsere Leinen noch mal strecken können.

Råbylille Strand. Vielversprechend, aber eben nur das.

Zuerst fahren wir nach Råbylille Strand. Hier mündet ein Graben und strömt Süßwasser in die Ostsee. Der Wind kommt von hinten. Ideal für uns alle. Nach einer Stunde müssen wir aber feststellen, dass wir hier heute keine hohen Erwartungen haben sollen. Weiter geht es nach Hvideklint. Der überwiegend sandige Untergrund zeigt an einigen Stellen Seegrasfelder, die teils sehr nah ans Ufer herankommen. Hier wollen wir unser Glück versuchen.

Hvideklint. Eine tolle Stelle, wenn es doch nur nicht so windig wär.

Der Wind nimmt (leider) wieder zu. Wo Theo und Rudy noch einigermaßen zurecht finden, quäle ich mich mit dem Wind, der stramm von der Seite auf meine Wurfhand steht. Was mache ich hier eigentlich? Durchbeißen heißt die Parole, nicht aufgeben.
Zum Glück scheint die Sonne und macht es noch einigermaßen erträglich, naja…

Rudy in voller Konzentration.

Der zunehmende Wind führt dazu, dass eine Oberflächenströmung entsteht. Ich merke, wie Schnur und Polyleader nicht mehr auf Tiefe gelangen. Da helfen auch schwerere Muster nichts. Ich wechsele regelmäßig die Fliege, aber zu einem Anbiss führ es nicht.
Ich beschließe mein Setup zu ändern. Der 8 Fuß lange Polyleader „Hover“ wird gewechselt und ein 10 Fuß „Slow Sinking“ kommt ans Ende der Schnur. Rudy scheint den gleichen Gedanken zu haben und wechselt ebenfalls. Er entscheidet sich für eine schnellsinkende Variante (jedoch an einer Schwimmschnur). Das „mehr“ an Länge und auch ein wenig mehr Gewicht, erleichtern das Werfen und ich komme wieder dahin wo ich will. Rudy ist der Erste, der vom Wechsel profitiert und kann einen Fisch landen. Dann ist Theos‘ Rute krumm. Er scheint einen richtigen Brocken am Haken zu haben. Aber das Glück ist nicht auf seiner Seite. Der Fisch zeigt sich 2 – 3 Mal. Dann ist es vorbei. Unglücklich gehakt, so scheint es, als hätte der Fisch mit den Zähnen die Schnur durchgeschnitten.

Theo ist nach dem Verlust eines Prachtexemplars der Unglücksrabe.

Meine Enttäuschung ist in dem Moment genau so groß. Wir schätzen den Fisch auf über 70 Zentimeter. Das wäre es doch gewesen. „Womit, Theo?“, frage ich. „Was denkst Du? …“ Okay, Brenda! Ich wechsele die Fliege. Der Wind hat etwas nachgelassen. Ich schaffe größere Wurfweiten. Plötzlich spüre ich einen Ruck in der Schnur… kurzer Kontakt… weg… Mist! Ruhe kehrt ein. War es das? Ich schaue zu Theo rüber. „Sieht so aus, als hätten wir unsere Chance vertan,“ sage ich. „Man weiß es manchmal nicht,“ kommt als Antwort. Wie Recht Theo hat, denn eine halbe Stunde später, spüre ich erneut den Ruck und diesmal hängt der Fisch!

Die Belohnung für den harten Tag.

Eine schöne Mefo zum Abschluss einer gelungenen Woche.

Eine 51er dirigiere ich ins Netz und die Mefo wird nach kurzem Fotoshooting dem Meer wieder übergeben. Zum Schluß schafft Rudy es noch, einen weiteren, wenn auch kleineren Fisch zu fangen. Dann ist aber Schluss, es fängt schon an zu dämmern.

The last one… ein schnelles Bild der letzten Forelle.

Im Haus angekommen wird es Zeit für ein Resümee. Nein, es war keine großartige Woche. Dafür waren die Bedingungen nicht gut genug. Ja, wir hatten alle unseren Fisch und die Durchschnittsgröße war mehr als in Ordnung. Für uns die Entdeckung der Woche: Brenda! Für mich persönlich: Møn hat in jeglicher Hinsicht viel zu bieten und ich bin von der Insel angetan. Heißt also: ja, die Insel wird mich bald wieder sehen!

Zum Wohl. Tolle Woche mit feinen Kollegen an tollem Gewässer ;-).

Bilder in diesem Beitrag von Rudy van Duijnhoven, Theo v.d. Poll und meiner Wenigkeit.

  1. Hallo Jan,
    Ein sehr toller Reisebericht mit super Fotos.
    Gruß
    Bodo

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