Morgens um Sieben (ist die Welt noch in Ordnung)… aber Abends um Neun eigentlich mehr

Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung.
Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung.

Als Theo mich beim Karpfendemotag fragte, wann denn jetzt der Bericht über unser Meerforellentrip Ende April / Anfang Mai nach Fünen im Blog erscheinen würde, wo wir doch Ende September wieder dahin Pilgern, wurden die Erinnerungen wieder wach. Und ja, diese sollten ja noch mal publiziert werden (ich wollte eigentlich schreiben „zu Papier gebracht werden“, aber das stimmt ja nicht.

Wie kommt es zum Titel? Okay, auf die Gefahr hin, dass mich einige ab jetzt nicht mehr Ernst nehmen… wobei, eigentlich ist Rudy der Schuldige (wobei er das nicht mal weiß). Wir – Rudy, Theo und meine Wenigkeit – sitzen im Auto. Irgendwo auf der A1 im hohen Norden. Ich sitze hinten, die Augen zu und träume ein wenig vor mich hin. Aus den Lautsprechern trällert eine nette Melodie. Und solche Momente gibt es nun mal, es ist gerade die passende Melodie zur Stimmung. Ach, das Leben ist schön. Was ist das wohl? Nein, ich rede hier nicht von David Guetta, Pink, oder Lady Gaga. Im Zeitalter des iPhones wird man schnell fündig. Sender, Playlist, und schon steht es da… JAMES LAST. Titel: Morgens um Sieben (ist die Welt noch in Ordnung).

Und dann denke ich zurück an die letzten fünf Tage. Okay, der Titel ist zutreffend… aber nur halb, denn Abends um Neun war die Welt es eigentlich mehr.

Das müssen wir jetzt aber auch nicht übertreiben, aber gut, der Reihe nach.

Die Vorberichte waren nicht unbedingt positiv. Auf Grund einer Algenepidemie (sollen wir es so mal nennen) vor den dänische Küsten, waren die Fangergebnisse im Frühling nicht gerade besonders. Wie ich nachher in Erfahrung gebracht habe (danke an Matthias G. Kensa im Scale Magazine), können sich diese Algen besonders vermehren, weil sie als Grundnahrungsmittel wohl besonders gerne „Schweinescheiße“ zu sich nehmen. Dieser wiederum gelangt über die Flüsse und Bäche ins Meer und schon ist es geschehen, zu mal ich dann bei einem Vortrag eines jungen Schweinezüchters, die Info bekam, dass Dänemark momentan den europäischen Markt mit Schweinefleisch überspült. Zähle Eins und Eins zusammen und man weiß wo man dran ist.  Nachher ist man sowieso immer schlauer.

Aaaaber… die Hoffnung stirbt zuletzt und es gab auch die eine oder andere positive Nachricht. Zum Beispiel, dass unser Freund Peter 2 Wochen vor unserer Reise eine Meerforelle von 80 Zentimeter erbeuten konnte (das dies der einzige Anbiss in 3 Tagen war, lassen wir mal gepflegt außer Betracht).

Mehr als sein Bestes kann man sowieso nicht geben, also ist das Material im Vorfeld bestens vorbereitet. 9 Fuß TFO TiCrX für eine 7er Schnur, ein Airflo Sixth Sense #6/7 Slow Intermediate und ein Polyleader Seatrout 8‘ Hover sollen es im Prinzip richten. Mal schauen…

Ausblick von der Terrasse. Alles scheint ruhig.
Ausblick von der Terrasse. Alles scheint ruhig.

Der Samstag ist unser Reisetag. Wir haben uns ein Häuschen gemietet am Bäring Vig, unweit von Middelfart im Nordwesten der Insel. Nach unserer Ankunft wird eingekauft. Das Wetter ist gut. Vielleicht ein wenig zu kalt. Der ziemlich harte Nordostwind hat aber den ganzen Tag auf die Küste gepeitscht. Die ersten paar hundert Meter sind trübe. Hoffentlich ist die Küstenlinie morgen früh wieder klar. Das Material wird am Abend schon in Ordnung gebracht. Wir wollen früh los…

Tag 1.

Es ist der 1. Mai, Tag der Arbeit… und ja, um halb sieben stehen wir bei Vedelshave im Wasser. Das Meer ist glatt wie ein Spiegel, das Wasser wieder klar. Wir haben 2 Grad Lufttemperatur. Keine störende Geräusche außer die der Schnüre die auf Länge gebracht werden! Ruhe pur, die Welt ist in Ordnung. Die erste halbe Stunde merke ich wie rostig ich nach dem langen Winter bin und muss erst mal in Fahrt kommen. Dann läuft es aber und mir wird schon schnell angenehm warm. Es drehen sich einige Fische an der Oberfläche aber leider außer Reichweite unserer Würfe. Hornhecht? Meerforelle? Keine Ahnung. Unsere Garnelenmuster bleiben auf jeden Fall unbeachtet. Gegen 8.30 Uhr zieht der Nordostwind wieder an, also beschliessen wir den Standort zu wechseln und fahren nach Strib. Wir versuchen es in der Umgebung des Leuchtturms, aber die Gezeitenströmung ist stark und wir bleiben Schneider. Also, ab zum Ferienhaus, Karte raus und neue Pläne schmieden für den Abend.

Der Leuchtturm in Strib.
Der Leuchtturm in Strib.

Unterdessen hören wir von Theo Bakelaar, der mit einer Gruppe auch auf Fünen unterwegs ist, dass sie in der Nähe von Gamborg einige kleinere Fische um die 35cm gefangen haben, größere Exemplare jedoch Fehlanzeige sind.

Nachmittags wird der Nordostwind nur noch stärker und wir entscheiden uns am Abend nach Føns zu fahren. Entlang Fønsskov gibt es eine sehr lange Strecke wo man auch bei Nordostwind sehr komfortabel fischen kann. Da waren wir wohl nicht die Einzigen! Da man auf Fønsskov mit dem PKW nicht ans Wasser fahren kann, muss man einen kürzeren oder längeren Fußweg in Kauf nehmen. An diversen Stellen wo ein Weg Richtung Küste läuft, sahen wir schon Autos aus Belgien, Deutschland, Niederlande und Dänemark stehen (vor allem an den Stellen wo der Weg kürzer ist…). Wir entschieden uns für einen Weg am Waldrand auf halber Strecke. Das Wasser machte einen sehr guten Eindruck. Viele Steine und Seetang. Wer weiter läuft hat die Ruhe und so befanden wir uns Mutterseelen alleine auf diesem Abschnitt. Als der Wind langsam nachließ, konnten wir auch Aktivität von Fischen an der Oberfläche erkennen. Theo hatte den ersten Anbiss, aber der Fisch wusste sich leider wieder zu befreien. Ich hatte ein Mysismuster angeknüpft und kurz vorm Einfallen der Dunkelheit kam der Anbiss… rasch nimmt die Forelle 5 Meter Schnur… ein Sprung… okay, um die 50cm, aber was jetzt… der Fisch kommt mit einem Affenzahn auf mich zugeschwommen. Ich hole wie verrückt Schnur ein, aber…. Schnur schlaff… Fisch weg…. SCH… Nun ja, immerhin ein Anbiss. Im letzten Tageslicht sehen wir wie einige hundert Meter vom Ufer entfernt sich einige Schweinswale tummeln. Ein schöner Anblick. Ende eines durchwachsenen, aber dennoch schönen Tages.

Tag 2.

6.15 Uhr. Abfahrt. Ich habe doch Urlaub? Na ja. Der Wind ist jetzt schon wieder voll da. Wir wollen eigentlich erst nach Varbjerg, aber die Wellen schlagen schon und das Wasser ist nicht wirklich klar. Also ändern wir die Richtung und fahren nach Alehoved, etwas südlicher als Fønsskov. Auch hier kommt der Wind schräg von hinten, das Werfen ist somit einigermaßen angenehm. Theo schnappt sich nach einer guten Stunde eine 46er. Ein schöner Fisch in bester Verfassung, der einer Mysisnachahmung nicht widerstehen konnte.

Theo mit dem ersten Fisch des Trips.
Theo mit dem ersten Fisch des Trips.

Das Wasser hier ist ziemlich flach und sandig, mal abwechselnd mit Steinen und Tang. Ca. 30 Meter vom Ufer verläuft noch eine flache Sandbank. Somit hat man ein wenig die Idee einer Badewanne wo in den Filmen übers Meerforellenfischen auf Fünen des öfteren die Rede von ist. Dahinter wird es wieder deutlich tiefer. Ich sehe noch einen Fisch drehen, aber weitere Anbisse bekommen wir nicht. Da der Wind ziemlich heftig und nasskalt ist, ist die Gefühlstemperatur eher unangenehm und spätestens um halb Elf, fahren wir zurück ins Ferienhaus. Hoffentlich legt sich der Wind bis zum Abend wieder.

Da dies nur bedingt der Fall ist, fahren wir zur gleichen Stelle wie am Abend zuvor bei Fønsskov. Und wieder haben wir die ganze Strecke für uns. Der Wind meint es auch gut mit uns und wird sich später sogar noch fast legen.

Wiederum hat Theo die Ehre, den ersten Anbiss zu bekommen und fängt einen schönen 65er Hornhecht. Rudy ist experimentierfreudig und versucht es gleich mit 2 Fliegen, einem Borstenwurm und einer Garnele. Er bekommt auch einen Anbiss eines guten Fisches, aber dieser schafft es schnell, sich wieder zu befreien. Welche Fliege er genommen hat, wissen wir auch nicht. Ich wechsle mehrfach die Fliege und lande im Endeffekt wieder bei dem Mysismuster. Theo und Rudy fangen beide eine untermaßige Meerforelle. Die letzte halbe Stunde Tageslicht bricht an. Das Wasser wird durch den nachlassenden Wind zusehend ruhiger. Gestern fing es um diese Zeit in etwa an. Da… ein Anbiss… und wieder weg. Noch ein Zupfer… es sind Fische da. Auch Theo und Rudy bekommen zaghafte Anbisse. Dann passiert es doch noch.

Zu später Stunde...
Zu später Stunde...

Der Biss, der Anhieb und ja, diesmal bleibt die Forelle dran! Einige Runs folgen, aber ich gewinne die Oberhand und wenig später gleitet im letzten Licht des Tages die Meerforelle in den Kescher. Mit 42cm zwar kein  Riese, aber immerhin besser als gar nichts. Ein versöhnlicher Abschluss des Tages und zufrieden machen wir uns auf den Weg durch den mittlerweile dunklen Wald. Noch bleibt uns ein Tag…

Die einzig angesagte Fliege: die Mysis
Die einzig angesagte Fliege: die Mysis

Tag 3.

Und weil wir am Abend zuvor so lange gefischt hatten, durfte ich ausschlafen bis… 6 Uhr!

Gegen 8 waren wir in der Nähe von Wedellsbirg, parkten das Auto am Sdr. Aby Strand und machten einen strammen Marsch zur Spitze einer Landzunge, die man hier findet.

Die Landzunge am Sdr. Aby Strand.
Die Landzunge am Sdr. Aby Strand.

Das Wetter wurde schnell besser, weniger Wind, etwas mehr aus Richtung Nord-Nordwest und auch die Temperatur hatte sich einigermaßen erholt. Leider fanden wir hier statt Aktivität von Fischen eher braune Algen. Eine glatte Nullrunde für uns Alle und die Hoffnung ruhte jetzt auf die Abschlusssession am Abend.
Auf dem Weg zum Auto trafen wir noch einige Angler die mit Sbirulino ihr Glück versuchten, aber die hatten seit Samstag auch nur wenig gefangen, die größte Meerforelle gar nur 36cm.

Am Mittag dann ein fettes Gewitter, gefolgt von lang anhaltendem Regen. Der Wind drehte zeitweilig auf West, dann wieder auf Nord. Wir wollten trotzdem unser Glück versuchen. Die erste Stelle befand sich bei Kasmosen, aber als wir den steilen Hügel zum Wasser runter kamen, sahen wir es direkt: trübes Wasser, jeder Versuch sinnlos.

Eine Strecke wo man auch bei Nordwind gut angeln kann, obwohl es eher eine Winterstelle ist, ist Gamborg. Dunkle Wolken um uns herum, die Sonne zeigt ihre rote Glut und es ist einfach nur schön. Der dritte Wurf bringt einen Anbiss. Aber mehr auch nicht. Dann folgt Ruhe bis kurz vor der Dunkelheit… mal wieder! Es springen einige Meerforellen, Rudy fängt eine 38er und verliert kurz darauf noch eine. Es ist der letzte Abend… vorerst war es das wieder. Ich will eigentlich nicht aufhören, aber auch die schönste Nebensache der Welt hat irgendwann ein Ende. Während wir im Dunkeln mit Hilfe unserer Lampen den Weg zurück laufen, fängt es an zu regnen. Es kann mir egal sein. Es waren, wenn auch nicht sonderlich erfolgreich, 3 tolle Tage.

Am Material hat es nicht gelegen.
Am Material hat es nicht gelegen.

Ende September kommen wir wieder. Mal gespannt wie viele Würfe wir dann wieder brauchen…

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