Ein Hauch von Indian Summer in der Eifel.

Oh, du schöner Herbst…

… der sich gerade heute am ersten Advent von seiner unangenehmen Seite zeigt und einen eher dazu zwingt, mal in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Nun dürfen wir uns wahrlich nicht über den Herbst beschweren, wo wir teilweise noch im Shirt am Wasser waren und herrliche Stunden erleben konnten. Jetzt scheint es aber damit ein Ende zu haben und dann findet man auch mal Zeit, letzte Ausflüge Revue passieren zu lassen.

Dazu zählte auch der jährliche Abschluss der Saison, den wir Mitte Oktober zum Ende der Forellensaison mit einigen Mitgliedern unseres Stammtisches „Cleverland Irresistibles“ begingen.

Wo es ein Jahresabschluss gibt, gibt es natürlich auch ein Jahresauftakt. Darüber habe ich hier nicht berichtet, denn nachdem wir eine einmalige Erfahrung mit dem etwas cholerischen Besitzer des Gewässers hatten, beschloss ich schon schnell, weder Gewässer, noch Betreiber zu erwähnen, obwohl wir eine Menge Spaß hatten und an einem Freitagabend in einem toten Kaff in einer Discoparty einer Ü70-Reisegruppe landeten und uns vor Lachen kaum mehr eingekriegt haben, aber sei es drum.

Der Jahresabschluss sollte dementsprechend etwas „entspannter“ verlaufen. Wir hatten beschlossen in die Eifel zu fahren. Wenn ich Eifel höre, bin ich schnell begeistert, ist es doch für mich eine Art 2. Heimat. Als „Flachlandtiroler“ bin ich schon als Kind öfters in Eifel und Hunsrück gefahren und das Gefühl von Urlaub bekomme ich auch heute noch, so bald ich die A1 Richtung Euskirchen fahre und die ersten „Erhebungen“ sichtbar werden. Nun zieht es mich nicht nur wegen der landschaftlichen Reize in diese Richtung, sondern eben auch wegen des Fischens. Meine ersten Erfahrungen vor nunmehr 30 Jahren habe ich eben auch da gemacht und ist immer wieder so eine Art „nach Hause kommen“.

Magnus an einer der tiefsten Stellen der Zendscheider Strecke.
Magnus an einer der tiefsten Stellen der Zendscheider Strecke.

Die Kyll bei Zendscheid war unser Ziel. Robert, Magnus, Günter und ich hatten uns zusammengefunden und wollten die Forellensaison passend ausklingen lassen. Samstag Morgens ging es los und spätestens als wir die besagte A1 Richtung Trier erreichten, stieg auch die Vorfreude. Dann kann es nicht schnell genug gehen. Denkste… kurz vor Blankenheim wurde die Sicht schlechter und wir konnten kaum 30 Meter mehr sehen. Da ging es auf einmal nicht mehr so schnell. Gott sei Dank dauerte es nicht lange, bis es wieder voranging.

Wir hatten uns eine Wohnung genommen im Haus Kylltal. Neben dem Hotelbetrieb, gibt es mehrere Wohnungen, die vermietet werden und wenn man mit 4 Mann unterwegs ist, wird eine Übernachtung mit Frühstück relativ günstig. Auch die Tageskarten für die Strecke werden im Haus ausgegeben, und so dauerte es nicht lange, bis wir die Karten besorgt, die Wohnung bezogen und uns in unsere Anglermontur gezwängt hatten.

Das Los Zendscheid ist ca. 2,5 Kilometer lang und zeigt sich sehr abwechslungsreich. Flache Rieselstrecken, tiefe Pools und schöne Rinnen, im Prinzip ist alles mit dabei. Da wir schon zu viert waren, hofften wir, keine weiteren Angler an der Strecke zu treffen. Es stellte sich aber heraus, dass noch 2 Belgier vor Ort waren, die wir etliche Male in den beiden Tagen begegnet sind…

Fliegenfischen ist nicht nur fangen, sondern auch Natur und Umgebung genießen.
Fliegenfischen ist nicht nur fangen, sondern auch Natur und Umgebung genießen.

Der Pegelstand der Kyll war an diesem Wochenende sehr niedrig und das Wasser mehr als Glasklar, dementsprechend schwer sollte die Fischerei werden. Am Wasser angekommen, teilten wir uns direkt auf, damit jeder von uns einige Hundert Meter für sich hatte. Ich beschloss am weitesten Stromauf zu gehen und stieg kurz hinter der Dorfbrücke ein. Eine 4er Rute reicht an diesem Los der Kyll vollkommen aus. Ich hatte eine Orvis Helios 2 mit an Bord in 8’6“ Länge und diese passt genau für die Kyll, die an dieser Stelle zwischen 8 und 10 Meter breit ist. Auf Grund des niedrigen Wasserpegels entschied ich mich für eine Vision Cult DT Schnur. Die Präsentation der Fliege auf dem Wasser ist, meiner Meinung nach, mit einer DT einfach weicher und subtiler. Da es keine Aktivität von Insekten auf dem Wasser gab und nur vereinzelt Fische stiegen, fing ich mit der Nymphe an. Eine Quillnymphe mit orangenem Tag mit Tungstenperle um genauer zu sein. Beim zweiten Wurf direkt den ersten Anbiss und nach einem kurzen Fight, konnte ich eine schöne Mitdreißiger Forelle landen. Beim „posieren“ wollte sie aber nicht so, aber egal.

Posieren wollte diese Forelle nicht.
Posieren wollte diese Forelle nicht.

Der Anfang war vielversprechend und ein Blank würde es nicht geben. Nachdem ich noch 2 Bisse in diesem Pool verhauen hatte, bzw. die Bisse sehr spitz waren, ging es weiter stromauf, wo ich aber schon schnell feststellte, dass auf Grund des niedrigen Wasserstands, die Ausbeute gering sein würde. Mehr als eine „kleine“ Bachforelle um die 20cm war nicht drin.
Den Kollegen war es nicht viel besser vergangen. Einzig Magnus hatte an einer der tiefsten Stellen eine herrliche Bachforelle von 43cm verhaften können. Das würde auch der beste Fisch des Wochenendes bleiben. Aber was soll es… das Wetter war traumhaft, wir waren raus aus dem Alltag, die mitgebrachten Essenswaren schmeckten hervorragend. Gestärkt ging es dann weiter.

Ein Prachtfisch für Magnus.
Ein Prachtfisch für Magnus.

Zwischendurch trafen wir die beiden Belgier. Der ältere der Beiden sagte nur „Wo sind denn die Äschen geblieben, die es hier vor 20 Jahren so massenweise gab…?“ Fehlanzeige. Auch wir hatten gedacht, einige ans Band zu bekommen, aber einzig Robert wusste eine zu fangen und die hatte gerade mal 5 oder 6 Zentimeter (!).

Am Nachmittag fingen die Forellen vereinzelt an auf Trockenfliegen zu steigen.
Am Nachmittag fingen die Forellen vereinzelt an auf Trockenfliegen zu steigen.

Gegen 16 Uhr zeigten sich dann auch einige Insekten aufm Wasser und die Versuchung es mit der Trockenfliege zu versuchen, konnten wir nicht widerstehen. Günter fing seine Fische mit einer March Brown ;-). Robert, Magnus und ich konnten an Missing Link und Griffith’s Gnat in Größe 20 einige Fische fangen. Der Tag neigte sich dem Ende zu. Zwar nicht wirklich was wir uns erhofft hatten, aber das gehört zum Fischen nun mal dazu.

Diese Rotgetupfte konnte eine Griffith's Gnat nicht widerstehen.
Diese Rotgetupfte konnte eine Griffith’s Gnat nicht widerstehen.

Am Abend stärkten wir uns bei gutem Essen und dem obligatorischen Bitburger und freuten uns auf den Sonntag. Das Wetter sollte noch besser werden, wenn auch kälter, aber wir erhofften uns noch einige schöne Stunden.

Ein Hauch von Indian Summer in der Eifel.
Ein Hauch von Indian Summer in der Eifel.

Nach einem perfekten Frühstück packten wir unsere sieben Sachen schon mal zusammen, bevor wir dann wieder Richtung Wasser zogen. Da es recht früh war, nahmen wir uns erst Mal die Zeit, uns die gesamte Strecke noch mal ausgiebig anzugucken. Die Sonne strahlte vom Himmel und verlieh dem Kylltal einen goldenen Glanz und wir genossen die Farbenpracht der Herbsttöne an den Bäumen. Schnell stellten wir fest, dass die jetzigen Bedingungen nur das Befischen bestimmter Teile der Strecke zulassen würde. Ich bin mir sicher, dass dieses Los bei höherem Wasserstand deutlich ergiebiger sein wird, aber das müssen wir dann wohl bei einem nächsten Ausflug erfahren. Nun waren einige Abschnitte total „Tot“.

Die Märzbraune war die Erfolgsfliege für Günter.
Die Märzbraune war die Erfolgsfliege für Günter.

 

Schön gezeichnet, aber nicht sehr groß.
Schön gezeichnet, aber nicht sehr groß.

Auch am Sonntag konnten wir einige Fische fangen, aber es war harte Arbeit, bei Bedingungen die dem Samstag dann doch sehr ähnlich waren. Das sollte der Stimmung aber nicht trüben, denn jeder Tag am Wasser ist einfach ein Genuss, und mit jedem Ausflug gewinnt man an Erfahrungen und Erkenntnissen, die einem in der nächsten Saison wieder von Nutzen sein können. Die Forellensaison 2015 nahm hiermit ein Ende und auf dem Rückweg, fingen wir schon an erste Planungen für 2016 zu machen. Mal gespannt, wo es uns im Frühling 2016 hinzieht.

Die Forellen schienen irgendwie fast alle die gleiche Größe zu haben.
Die Forellen schienen irgendwie fast alle die gleiche Größe zu haben.

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